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Totenzettel









Onlineprojekt Gefallenendenkmäler - von Ahnenforschern für Ahnenforscher

 

 


 

Kiel (Alte Garnisonskirche St. Paulus, Gefecht von Tres-Forcas), Schleswig-Holstein:

Alte Garnisonskirche St. Paulus: Wandplakette im Kirchenschiff rechts an der Rückwand. Heller Marmor, oben gerundet, mit goldener Beschriftung.

Kiel (Alte Garnisonskirche St. Paulus, Gefecht von Tres-Forcas), Foto © 2005  www.panorama-service.net

Radkorvette „Danzig“:
Radkorvette „Danzig“

Inschriften:

Gefallen bei Tres=Forkas am 7. August 1856.

Namen der Gefallenen:

Vier der Gefallenen erhielten in Gibraltar unter starker britischer Beteiligung ein feierliches Begräbnis. Die Marine spendete in den folgenden Jahren für ein Denkmal, das am 8. Januar 1863 auf dem Friedhof in Gibraltar enthüllt wurde. Es zeigt einen Adler auf einem Steinsockel.

Dienstgrad

Name

Todesdatum & Ort

Truppen-zugehörigkeit und/oder Einheit

Matrose II.Kl.

COULSON

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Preuss. Marine, Radkorvette „Danzig“

Matrose III.Kl.

FISCHER

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Preuss. Marine, Radkorvette „Danzig“

Gefreiter

LÜPKE

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Seebataillon, Radkorvette „Danzig“

Lieutenant z.S. I. Kl., Adjutant des Admirals Prinz Adalbert von Preussen

NIESEMANN

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Preuss. Marine

Schiffsjunge

SELKE

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Preuss. Marine, Radkorvette „Danzig“

Matrose III.Kl.

SENGEISEN

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Preuss. Marine, Radkorvette „Danzig“

Matrose III.Kl.

SPRINGSTOBBE

7.8.1856 Kap Tres Forcas, Marokko

Preuss. Marine, Radkorvette „Danzig“

Hintergrund: Das im Nachhinein vielfach heroisierte Gefecht bei Tres-Forcas gilt heute als Beginn der später als ‚Kanonenboot-Politik’ bezeichneten aussenpolitischen Handlungsweise Preussens.

Das Kap Tres Forcas liegt nur wenige Kilometer nördlich der an marokkanischer Küste gelegenen spanischen Enklave Melilla im Alboranischen Meer (Mittelmeer zwischen dem Kap und der spanischen Insel Alborán).

12 Angehörige des dort lebenden Stammes der Rif-Kabylen (benannt nach dem Rif-Gebirge), hatte am 7.12.1852 die gestrandete Stettiner Brigg ‚Flora’ überfallen und geplündert, den Kapitän verletzt und einen Matrosen über Bord geworfen, der dabei umkam. Nach damaliger Auffassung verlangte so etwas nach einer Strafexpedition, die Preussen wegen fehlender Marinekräfte nicht leisten konnte, Spanien und England nicht leisten wollten. Der Vorfall geriet schliesslich in Vergessenheit, nur nicht beim „Admiral der Preussischen Küsten“, Prinz Adalbert von Preussen, der die Bedeutung der Marine forcieren wollte.

Im Frühjahr 1856 befand sich ein Übungsgeschwader der jungen Preussischen Marine unter dem Kommando des Prinzen im Mittelatlantik. Nachdem die Segler nach Südamerika entlassen worden waren, setzte die Raddampfkorvette ‚Danzig’ Kurs auf das Schwarze Meer. Nach passieren der Enge von Gibraltar liess der Admiral, der nach Auflösung des Geschwaders eigentlich nicht mehr kommandierender (Kommandant: Korvettenkapitän Prinz Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld), jedoch ranghöchster Offizier war, vor Tres Forcas zum Schein Küstenbeobachtungen vornehmen, worauf die ausgesetzten Boote prompt vom Ufer aus beschossen wurden.

Diese ‚Beleidigung der Flagge’ nahm Prinz Adalbert zum willkommenen Anlass, mit einem Expeditionskorps von etwa 60 Mann die Uferhöhen zu stürmen und sich auf ein wildes Feuergefecht mit den Rif-Piraten einzulassen, die alsbald massive Verstärkung erhielten. Hierbei wurden 22 Mann verletzt, darunter der Admiral, der einen Oberschenkeldurchschuss erlitt. Der ‚Rückzug’ artete in eine wilde Flucht aus, bei der sogar drei der gefallenen Kameraden zurückgelassen werden mussten.

Das im Grunde unrühmliche Scharmützel sorgte in der Bevölkerung für Feierstimmung anlässlich der ersten ‚Heldentat’ der jungen Marine, in Regierungskreisen jedoch für heftige Kritik. Wäre der Prinz bei dieser gezielten Provokation getötet worden, hätte die Staatsraison einen Krieg mit Marokko verlangt.

Als Strafexpedition war der Alleingang des Prinzen ungeeignet, da man von den ‚Barbaren’ in die Flucht geschlagen worden war und sogar Kameraden zurücklassen musste. Diesem Umstand trug die Marine durch eine Dienstanweisung Rechnung, die solche Alleingänge auf fremdem Territorium ohne Rücksprache mit der Regierung resp. dem Oberkommando fortan verbot. Prinz Adalbert kostete der Vorfall praktisch die erhoffte Karriere als Oberfehlshaber der Marine, nachdem er zwar 1859 zum Ordentlichen Admiral befördert wurde, bei einer Umstrukturierung 1860 und auch weiterhin jedoch übergangen wurde.

2 der am Gefecht beteiligten Seekadetten avancierten später zu Admiralen (BATSCH und KNORR).

Von diesem Objekt können beim Author des Beitrages hochauflösende Detailaufnahmen und/ oder, sofern vorhanden, Aufnahmen einzelner Namenssteine angefordert werden.

Datum der Abschrift: 30.3.2005

Beitrag von: Fred Watty | Genealogische Gesellschaft HH e.V.
Foto Gedenkplatte © 2005  www.panorama-service.net

Foto ‚Danzig’ © unbekannter Photograph

 

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